Großes Stühlerücken bei der FAZ

Was heute in der Medienbranche passierte

Großes Stühlerücken bei der FAZ

Weichen und Schranken bei der FAZ, ein Bild Büro in den USA und Top-Quoten für ProSieben. Das und mehr im heutigen Blick auf die Medienbranche.

“In Bezug auf die Technologie sind wir bereits recht weit fortgeschritten”, sagt FAZ-Geschäftsführer Tobias Trevisan im persönlich.com-Interview im Hinblick auf die Einführung einer Paywall bei FAZ.net. Ob die Bezahlschranke bereits wie angekündigt in diesem Jahr kommt, müsse sich jedoch noch zeigen. Dies liege auch am früheren Spiegel-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron, der Anfang Oktober seinen Dienst als Digitalstrategie bei den Frankfurtern antritt. “Natürlich soll er diesen Schritt intensiv begleiten”, so Trevisan. Das könnte interessant werden, schließlich galt von Blumencron beim Spiegel als Gegner einer Paywall. Der Streit darüber mit seinem Kollegen Georg Mascolo war letztlich einer der entscheidenden Punkte dafür, dass beide ihre Sachen packen mussten.

Wie die FAZ-Paywall aussehen soll, steht derweil offenbar noch nicht fest: Trevisan : „Ob wir nun ein Freemium- oder ein Metered Modell machen, ist noch nicht entschieden.“ Mehr noch, es sei laut dem FAZ-Geschäftsführer auch “nicht entscheidend” – Hauptsache, die Einnahmen stimmen und die Nutzer rennen nicht davon. Die Gerüchte, wonach die FAZ vergangenes Jahr 20 Millionen Euro Verlust gemacht habe, weist der FAZ-Mann zurück. Es seien nur 4,3 Millionen Euro gewesen.

Im Interview deutet Trevisan zudem einen möglichen früheren Rückzug an, sollte sein Nachfolger rechtzeitig das Ruder übernehmen können. Der ist mittlerweile gefunden: Thomas Lindner, bis vor kurzem noch bei Grunner+Jahr, wechselt nach Frankfurt, wie Horizont berichtet. Zeitgleich soll Burkhard Petzold zweiter Geschäftsführer bei der FAZ werden und Roland Gerschermann nachfolgen. Der tritt Ende dieses Jahres in den Ruhestand. Trevisans Vertrag läuft eigentlich noch bis 2015. Er will sich in die Schweiz zurückziehen.

Nicht in die Schweiz, sondern vielmehr in die USA zieht es die Bild: Fünf Redakteure berichten künftig aus Los Angeles die deutsche Nacht über. Damit folgt die Redaktion einem Trend: Auch Handelsblatt, Welt und zuletzt T-Online zieht es in andere Zeitzonen, um die Website besser 24 Stunden am Tag bestücken zu können. Die Bild gibt nun an, ihr Team berichte “aus einer der aufregendsten Metropolen der Welt über die neuesten Geschichten, aktuellsten Entwicklungen und heißesten Trends.” Konkret bedeutete das zum Start jedoch vor allem US-Boulevard, wie Alexander Becker für Meedia feststellt. Sein Fazit: “Inhaltlich erschießt sich demnach nicht so richtig, warum die Berliner gleich fünf Mitarbeiter nach Los Angeles schicken mussten.” Allerdings sei das Unterfangen zugleich eine PR-Maßnahme. Chefredakteur Hart reiste zum Start eigens nach Kalifornien. Die Geschichten werden auf Bild.de in einem eigenen Kasten präsentiert – zumindest zum Start.

Apropos Start: Einen den Experten zufolge “sensationellen” Start legte die neue ProSieben-Serie “Unter the Dome” hin. Die Stephen King-Verfilmung. 3,14 Millionen Fernsehzuschauer allgemein und 2,24 Millionen in der “werberelevanten Zielgruppe” (23,1 Prozent Marktanteil) machten den Sender glücklich. Ob die Quote gehalten werden kann?

Noch einmal zurück zur Axel Springer AG. Die gab gegenüber der dpa an, man werde nun doch nicht die Scout24-Gruppe kaufen – oder zumindest nicht in absehbarer Zeit. ““Wir haben aktuell kein Interesse“, wird ein Konzernsprecher zitiert. Aber vergangene Woche sagte Mesut Özil ja auch noch, er habe kein Interesse an einen Wechsel weg von Real Madrid.

Während sich die Politiker im Wahlkampf über einen gesetzlichen Mindestlohn streiten, wird dieser, selbst wenn er kommt, freien Journalisten wenig bringen. Ohne Anstellung kein Lohn – sondern ein Honorar. Was dieses angeht haben sich Verleger und DJV eigentlich auf Mindestsätze geeinigt, doch fast nirgendwo werden diese bezahlt. Zuletzt gab es deshalb Klagen von freien Journalisten. Zapp fasste die Situation in seiner gestrigen Sendung gut zusammen. Einen neuen Job können abwandernde Journalisten vielleicht rund um die Branche der App-Hersteller finden. EU-weit sind einer Studie zufolge hier bereits fast 800.000 Menschen tätig. Aber auch hier ist der Verdienst nicht immer rosig: 19 Prozent der Beschäftigten in Deutschland verdienen weniger als 1.000 Euro im Monat.

Gab es sonst noch was? Ach ja: Yahoo hat ein neues Logo.

(dieser Beitrag ist ein Workflow-Test für das Format)

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