Die Mediengeschichte wird von den Siegern geschrieben

Seit einigen Minuten ärgere ich mich über einen Text meines kurzzeitigen Ex-Chefs Christian Meier bei Meedia. Meier, mit dem ich mich während meiner Zeit beim Branchendienst und auch danach stets gut verstand, schrieb einen Kommentar zur Zusammenlegung der Redaktionen von BZ und Bild Berlin. Seine These: Die Zusammenlegung der Redaktionen ist gut.

Was mich stört, ist nicht die These, sondern wie argumentiert wird. Konkret: mit welcher betriebswirtschaftlichen Gleichgültigkeit im Text wegfallenden Stellen bedacht werden. Nur kurz wird erwähnt, dass etwa ein Drittel der Journalisten ihren Job verliert. Die fast 50 Entlassungen sind im Text keine Schicksale, sondern lediglich eine Herausforderung für die Chefredakteure, die die publizistische Eigenständigkeit der Blätter bewahren sollen. Später im Beitrag heißt es dann, dass es unter dem neuen Dach für die BZ nun „ganz neue Möglichkeiten“ gäbe.

Im Text wird nur beiläufig erwähnt, dass die BZ profitabel ist. Im Kontext dieser Information sieht es Meier jedoch als gegeben an, dass in den nächsten Jahren auch so Stellen eingespart worden wären und irgendwann „die letzte Ausgabe gedruckt worden wäre“. Für alternative Szenarien gibt es keinen Raum, immerhin heißt bereits der Titel des Textes „Zusammenlegen oder Sterben“. Und so bleibt die Option, dass mit profitablen Werten durch Expansion, etwa in hyperlokalen Boulevard, neue Einnahmen und Leser generiert werden könnten, unerwähnt. Der Gedanke, dass Medienunternehmen verschiedene Marken besitzen sollten, um einander querzufinanzieren – er bleibt unerwähnt. Und ebenso die Tatsache, dass die BZ-Journalisten bereits jetzt aus der Tarifbindung ausgeschlossen sind – unerwähnt.

Einen solchen Beitrag kann nur jemand schreiben, der bei einer Fusion oder einer Übernahme von „ganz neuen Möglichkeiten“ profitiert. Jemand wie ich, dessen Stelle zum Sparen gestrichen wurde, bleibt nur das eigene Blog zum widersprechen. Die Geschichte, auch die Mediengeschichte, wird nun mal von den Siegern geschrieben. Und was fehlt, ist ein kritischer Medienjournalismus, der für Journalisten und angehende Journalisten schreibt und nicht für Verlage, ohne dabei direkt ein Organ der Gewerkschaften zu sein.

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  1. Pingback: Warum wir einen neuen Medienjournalismus brauchen — Carta

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