Danke Google – für Feedly!

„Was, der Google Reader wird eingestellt?“ So reagierte ich vor noch nicht allzu langer Zeit morgens. Zugleich hoffte ich, dass ich rasch einen Beitrag mit den besten Alternativen entdecken würde, geschrieben von einem Autor, dem ich vertraue. Es dauerte nicht lange, bis ich gleich mehrere solcher Beiträge lesen konnte. Zum Glück, denn eine passende Alternative brauchte ich dringend. Der Google Reader hatte RSS-Feeds für mich erst salonfähig gemacht. In Outlook oder einem eigens installierten Programm wollte ich nie Feeds lesen. Mit dem Reader konnte ich sie aber bequem auf mehreren Geräten synchronisieren und auch von fremden Rechnern auf sie zugreifen.

Zwar nutze ich den Reader zugegeben bisher meist nur am PCs, aber wenn ich mal unterwegs war, konnte ich auch auf dem iPad (da mit einem anderen Reader, der sich die Daten aus dem Google Reader zog) und auf dem Android-Smartphone in meine Feeds blicken. Und noch etwas muss ich zugeben: Meist habe ich die Feeds nicht im Reader gelesen. Ich nutze ihn vielmehr um einen Überblick über das Geschehen einiger für mich relevanter Blogs zu behalten und nicht zu verpassen, wenn Bekannte von mir etwas geschrieben haben. Durch ein Plugin im Browser sah ich direkt, ob überhaupt neue Feeds – und wenn ja wie viele – auf mich warteten. Dann ging ich aus dem Reader meist direkt auf die Seite. Dort habe ich das individuelle Design des jeweiligen Blogs, Informationen in Widgets, mehr Sharing-Optionen und auch die Klicks waren dort, wo sie hingehörten.

Dieses Anforderungen vorausgesetzt begab ich mich also auf die Suche nach einer Alternative, wobei Suche das falsche Wort ist, denn in allen Kommentaren tauchte stets Feedly auf, das zudem direkt ankündigte, künftig auch unabhängig vom Google Reader zu funktionieren. Nun bin ich froh, Feedly getestet zu haben, denn ich habe weitaus mehr gefunden, als einen Ersatz für den Google Reader. Feedly ist toll. Im Browser ist es der etwas moderner wirkende Ersatz für den Google Reader. Auf dem Handy und dem iPad ist es aber viel mehr. Feedly bietet wunderbare Magazin-Ansichten und macht dadurch richtig Spaß. Besonders auf dem iPad habe ich noch nie so viele RSS-Feed-Beiträge gelesen, wie in den letzten Tagen.

Klar, es ist noch nicht alles perfekt. Einige Optionen könnten einfacher zu finden sein und die Sortierung flexibler. Dennoch bin ich sehr zufrieden und nutze schon jetzt den Google Reader so gut wie gar nicht mehr. Einzig für die Anzeige ob und wie viele neue Feed da sind, habe ich noch keine Browser-Erweiterung gefunden. (Update: Dank Simon Hurtz wurde das nun auch gelöst)

Ich finde, dass Feedly noch mehr zeigt, als wie ein guter Feed Reader aussehen kann. Feedly zeigt auch, wie ein gutes Content Managment System aussehen könnte. Ich glaube, eine der entscheidenden technischen Entwicklungs-Fragen für die kommenden Jahre sind neue CMS. Wenn man betrachtet, wie viele große Nachrichtenseiten noch auf typo3, Drupal oder vergleichbarem laufen, kann man nur den Kopf schütteln. Diese Systeme haben mittlerweile viele Jahre auf dem Buckel und sind längst nicht so leicht und flexibel, wie es nötig wäre. Statt, dass neue Systeme erstellt werden, wird häufig an den alten weiter gebastelt. Einige Aufsätze funktionieren deshalb nicht richtig und weniger technikaffine Redakteure verbringen mehr Zeit mit Problemlösung, als mit dem Verfassen von Beiträgen.

WordPress ist da bereits um einiges weiter, auf lange Sicht aber auch nicht das richtige Tool, wenn man große Mengen an Inhalten und verschiedene Mitarbeiter-Rollen verwalten will. Was wir brauchen, sind CMS, die alle Formen von online-journalistischen Formaten aufnehmen können, die auch im Wortsinn als Managment-Systeme und nicht nur als Veröffentlichungs Systeme (wie WordPress) dienen und die die nötigen Schnittstellen mitbringen, um einerseits Inhalte verschiedener Quellen zu koordinieren (eigene Redaktionsleistung, automatisch einlaufende Daten wie Wetter-Werte oder Aktienkurse, Leserkommentare und womöglich Beiträge von Partnerseiten) und andererseits Inhalte auf verschiedene Kanäle auszuspielen kann (Zeitung oder Zeitschrift, Website, mobil-App, mobil-Seite, Tablet-App und was alles noch kommen könnte wie zum Beispiel Google Glass).

Es muss ohne große Mühe möglich sein, Beiträge passend auf verschiedenen Kanälen auszuspielen. Das muss nicht heißen, dass sie überall gleich sind, aber dass sie aus dem gleichen System eingepflegt werden können und die Anpassung technisch keine Mühe macht. Ein Print-Beitrag sollte zum Beispiel auch die Links haben, die online publiziert werden, diese aber etwa durch Fußnoten oder QR-Codes ins Layout einbetten. Man sieht schon: Das geht weit über das hinaus, was man derzeit mit voll responsiven Seiten macht, die jedoch schon ein Schritt in die richtige Richtung sind – weg von parallel-Entwicklungen und Internet in Dosen (Apps).

Das alles ist Feedly freilich noch nicht. Jedoch zu sehen, wie dieser Reader Feeds von verschiedenen Quellen einsammelt und mir die gleiche Sammlung auf Desktop, Handy und iPad in verschiedenen, jeweils passenden und Lesefreude bereitenden Ansichten, aufbereitet, gibt einen Eindruck, wie ein CMS der Zukunft im Frontend aussehen könnte.

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